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Interview mit Roland Stankewitz von crammy

Nachdem unsere Rezension über den mobilen Vokabeltrainer crammy so gefragt war haben wir den Dienstanbieter vom crammy Vokabeltrainer interviewt.

Lernblog: 1. Sehr geehrter Herr Stankewitz, bitte stellen Sie sich vor und erläutern Sie unseren Lesern, wie sie auf crammy gekommen sind und wie lange Sie bereits daran arbeiten?

crammy: Ich bin als Dipl. Ing. für Elektrotechnik nie ein Sprachgenie gewesen und habe lange als Projektingenieur an der Entwicklung von Schienenfahrzeugen gearbeitet. Mit den ersten Projekten für ausländische Kunden fingen die Probleme an. Meine Schulkenntnisse der englischen Sprache wurden in einem Crash-Kurs aufgefrischt. Danach konnte ich wieder ordentliche Sätze bilden und über fachliche Themen sprechen - die Fachvokabeln hat man im Beruf durch e-mails und andere Fach-Dokumente ja ständig im Gebrauch. Schwierig wurde es beim Small-Talk mit den ausländischen Kollegen, beim Mittagessen oder abends beim Bier. Ich merkte, es fehlen mir einfach zu viele Vokabeln. Ich kaufte mir ein kleines Buch mit den wichtigsten 4.000 Vokabeln und dachte: “Wenn jemand ein Buch mit nur 4.000 Vokabeln druckt, muß es schon sinnvoll sein, nur diese 4.000 zu kennen. Das ist zu schaffen!”. Durch die Übersichtlichkeit der Aufgabe motiviert, lernte ich von A bis Z diese 4.000 Wörter und siehe - ich konnte den Gesprächen plötzlich folgen und das Fehlende erfragen. Später erfuhr ich, daß 4.000 Vokabeln etwa 80% der täglich benötigten Wörter abdecken, 10.000 etwa 99%. Das sind Durchschnittswerte. Ein englischer Hafenarbeiter kommt mit nur 200 unterschiedlichen Wörtern über den Tag. Das wichtigste fängt wohl dabei mit “f” an. Später als ich als freiberuflicher Ingenieur arbeitete und mit meinen Kindern wieder beim Thema Vokabeln lernen war, dachte ich über eine elektronische Lösung in Form eines Handgerätes nach. Das war 1999. Mit einem Freund bauten wir einen Prototyp eines Crammy - noch ohne Sprachausgabe und zogen los, um das fehlende Geld für die Entwicklung von den damals aus den Boden schießenden Venture-Capital Gesellschaften zu aquirieren. Im Gegensatz zu den vielen Internetfirmen, die Millionen “verbrannten”, bekamen wir keine Finanzierung zu Stande. Jeder Geldgeber fördert eben am liebsten das, was woanders schon funktioniert - so kommen ja die “Blasen” an der Börse zustande. Das Verständnis dafür, daß die Amerikaner kaum Probleme mit Fremdsprachen haben und in diesem Fall auch mal ein neues Produkt aus Deutschland kommen könnte, war für einen Banker wohl schon zu viel verlangt. Auch Schulbuchfirmen oder Hersteller elektronischer Wörterbücher zeigen erst jetzt Interesse, nachdem wir die Serienreife allein geschafft haben. Als wir erfuhren, daß auch der erste Mercedes aus ähnlichen Gründen zuerst in Frankreich gebaut wurde und die Produktion danach erst nach Deutschland zurückkehrte, waren wir mit unserem Schicksal wieder versöhnt. Wir nahmen das Geld, was eigentlich für unseren Lebensabend gedacht war (als selbständiger Ingenieur ist man privat rentenversichert) und fingen noch einmal von vorne an. Inzwischen gab es mp3, so haben wir gleich die Sprachausgabe integriert.

Lernblog: 2.Wie kam es zur Zusammenarbeit mit den bekannten Designer Coloni zu stande?

crammy: Wie jeder kreative Mensch braucht auch ein Designer feedback von der Masse und so zog Colani vor ein paar Jahren mit einer Wanderausstellung, die ein Teil seines Lebenswerkes zeigte, durch Einkaufszentren von Deutschland. Als er in seinem weißen Pullover und mit qualmender Zigarre in meiner Heimatstadt Schwerin saß, sprach ich ihn an und fragte, ob er unser Modell, was schon so ähnlich wie heute aussah (Drehrad + 2 Tasten) ein wenig ergonomischer gestalten konnte. Nach zwei Tagen rief er mich an und legte mir ein Knetmodell auf den Tisch, daß schon fast wie der jetzige Crammy aussah. Wir mußten dann zusehen, wie wir alle Teile darin unterbringen konnten. Die mechanische Konstruktion und der Formenbau für die Spritzgußformen was außerordentlich kompliziert, da keine Linie wirklich gerade ist. Wir begannen zu ahnen, warum sich ergonomisches Design nur schwer durchsetzt.

Lernblog: 3. Das Lernen mit den crammy macht zwar etwas Spaß, jedoch fehlen dem Lernenden kleine Erfolgsmomente, wie lobende Worte (am besten in der jeweiligen Fremdsprachen) und Aufmerksamkeiten wie Smilies und ggf. kleine Spiele, die man sich durch das Erreichen einer neuen Lektion freischalten kann. Für eine junge Zielgruppe wäre solch ein zusätzlicher Modus mehr lernförderlich. Reicht dafür der Speicherplatz nicht aus?

crammy: Wir hatten am Anfang über solche Motivationshilfen nachgedacht. Dann setzte sich bei uns die Meinung durch, daß auch das freundlichste “gut gemacht!” beim tausendstend mal wirklich nerven würde und wir haben darauf verzichtet. Es gibt 2 unterschiedlich lange “freundlich” klingende Signaltöne. Einer nach 3x positiver Quittierung nacheinander. Ein längerer nach “endgültig gelernt”. Als Motivationshilfe gibt es den Zähler der endgültig gelernten Vokabeln auf dem Startbildschirm und für Schüler den “Tamagochi-Mode”, der in Abhängigkeit vom Lernfortschritt im Vokabeltestmodus zum Lernen auffordert. Das Alter, in dem Crammy für Schüler sinnvoll wird, setzten wir mit 12 Jahren an. Die Motivation sollte dann schon aus dem Lernerfolg gezogen werden können, nicht aus künstlichen Anreizen.
Wir müssen auch aufpassen, daß die Komplexität der Funktionen nicht zu groß wird. Auch wenn Schüler oder Techniker wie wir die eigentliche Zielgruppe sind, müssen als Multiplikatoren die Sprachlehrer und Eltern überzeugt werden. Gerade Sprachlehrer verstehen oft nicht, warum man überhaupt Vokabeln lernen muß - sie hatten damit noch nie Probleme.

Lernblog: 4. Kommen wir zur 3. Generation des crammys. Dieser soll außer zusätlichen 50.000 unvertonten Vokabeln, die Möglichkeit bieten eigenständig unvertonte Vokabeln einzutragen. Wann kann man mit dieser Geräte-Generation ca. rechnen und wie wird man neue Vokabeln hinzufügen können?

crammy: Die nächste Generation ist für das nächste Jahr geplant. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht. Wir werden die Funktionalität des mitgelieferten PC-Programms so erweitern, daß über einen Editor oder csv-Import eigene Vokabeln unvertont in ein Wörterbuch aufgenommen werden können.

Lernblog: 5. Wird auch der Feedback zur Usability/Benutzerfreundlichkeit in der dritten Generation eingehen?

crammy: Wir haben natürlich weitere Verbesserungen auf der Liste. Ob und wann wir diese aber realisieren können, hängt vom Verkaufserfolg der gegenwärtigen Gerätegeneration ab. Deshalb wollen wir nicht zu viel versprechen.

Lernblog: 6. Kann meine seinen crammy aus Generation 1 oder 2 auf eine zukünftige Version überführen können, damit man die neuen Möglichkeiten nutzen kann?

crammy: Wichtiger als funktionelle Änderungen erscheinen uns inhaltliche Weiterentwicklungen. So arbeiten wir an der Erstellung eines Satz-Wortschatzes für Englisch, mit dem an Hand von Mustersätzen Vokabeln im inhaltlichen Kontext gelernt werden können. Auch Grammatik und Satzbau kann auf diese Weise implizit mit gelernt werden, ohne die Regeln explizit kennen zu müssen. Dieser Satztrainer soll noch im 4. Quartal 07 fertig werden und wird auch auf den Geräten der gegenwärtigen Generation lauffähig sein. Dazu ist über USB der Vokabelwortschatz gegen den Satztrainer auszutauschen.

Lernblog: 7. Vokabeln sind wichtig. Ich halte persönlich jedoch grammatikalische Zusammenhäng für noch wichtiger und schwieriger. Wird es auch ein Grammatik Lektionen auf zukünftigen Generationen zu lernen und üben geben?

crammy: Wie oben gesagt, arbeiten wir an einem Satztrainer für Englisch, der alle wichtigsten grammatikalischen Fälle, von Zeitformen über Passiv und Verneinung bis hin zu Standard-Gesprächssituationen (Wollen, Können, Argumentieren…) abdecken wird. Dieser wird auch auf den gegenwärtigen Geräten laufen und Sätze bis zu 120 Zeichen verarbeiten. Es wird mit 2 Schirmen gearbeitet, das Umblättern erfolgt automatisch nach Beendigung der Sprachausgabe. An der Bedienung ändert sich nichts. Unrägelmäßige Formen von Verben sind schon jetzt in den Wortschätzen enthalten. Bei den romanischen Sprachen zB. die wichtigen Konjugationen !

Lernblog: 8. Studenten haben vor dem Studium meistens die Fremdsprache Englisch und einige haben eine weitere Sprache eher nebenbei gelernt. Inwieweit lohnt sich der Kauf des crammys, wenn man als Student sich gute Kenntnisse in einer neuen Fremdsprache, wie bspw. Italienisch oder Spanisch aneignen will?

crammy: Als Vokabeltrainer macht Crammy natürlich vor allem kursbegleitend Sinn. Ob sich das mit dem Satztrainer ändert, und man auch ohne begleitenden Kurs ausreichende Sprachkompetenz aneignen kann, wird sich zeigen. Satztrainer für romanische Sprachen sind aber noch nicht fest terminiert.
Für jeden, der einen Spanisch-, Italienisch- oder Französisch-Kurs besucht, empfiehlt sich Crammy, weil Vokabeltraining Voraussetzung für jeden Kurserfolg ist, aber im Kurs selbst natürlich nicht erfolgen kann. Die mobilen Möglichkeiten, das Lernen im Auto oder kurz vor dem Einschlafen und das öftere “zwischendurchlernen” tagsüber, ohne den PC hochfahren zu müssen, zeichnen Crammy dabei gegenüber PC-Lernprogrammen aus. Was die Investition in einen Crammy angeht, muß man diese im Verhältnis zum Gesamtaufwand des Lernens bewerten. Ein professioneller 100h Crash-Kurs kostet zwischen 5.000 und 10.000 EUR + die Zeit des Vokabellernens zu Hause.

Lernblog: 9. Haben Sie vor für Menschen, die bspw. in Deutschland leben, jedoch Deutsch als Fremdsprache ansehen, eine angepasste Version anzubieten?

crammy: Deutsch als Fremdsprache steht auf dem Programm. Insbesondere aus Wien wird uns großes Interesse an Deutsch für Türken signalisiert. Man kann z.B. Frauen, die weder PC-Zugang haben noch Kurse besuchen, einen maßgeschneiderten Deutsch-Kurs auf dem Crammy präsentieren. Deren Sprachkompetenz kann dann an die Kinder weitergegeben werden. Wir können die erforderlichen Wortschätze gegenwärtig aber nicht vorfinanzieren, sondern müssen zuerst unser Geld in Marketingmaßnahmen in Deutschland investieren, um überhaupt bekannt zu werden und Stückzahlen zu verkaufen. Unsere Wiener Freunde versuchen aber, für das Türkisch-Programm Fördermittel zu bekommen. Für Russisch-Deutsch wäre das evtl. auch ein Weg.
Für Spanier, Italiener, Franzosen und Engländer ist der Crammy in der gegenwärtigen Form mit Einschränkungen auch schon nutzbar. Für diese Märkte werden jedoch Anpassungen vorzunehmen sein, die die Besonderheiten der deutschen Sprache berücksichtigen. Die deutschen Artikel sind jedenfalls schon mit vertont, was für Ausländer wichtig ist. Über zu unterstützenden unregelmäßige Formen des Deutschen müssen wir noch nachdenken.

Wir danken Ihnen sehr für ihre Zeit und wünschen Ihnen viel Erolg mit ihrem mobilen Vokabeltrainer!

Cognitive Science/Kognitionswissenschaft - Ein Studium mit Zukunft

Mein Bekannter (Interview mit Andreas über Mindpicnic) studiert Cognitive Science (zu Deutsch Kognitionswissenschaft) in Osnabrück. Ich möchte hier auf seinen hervorragenden Erfahrungsbericht über das Studium, die Stadt und vieles weitere euch aufmerksam machen.

http://www.aiplayground.org/artikel/coxi/

Cognitive Science ist die Wissenschaft, die versucht, zu verstehen, wie unser Gehirn funktioniert. Kognitive Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Denken, Lernen, Motorik und Sprache werden untersucht und modelliert. Das menschliche Gehirn ist das komplexeste System des uns bekannten Universums. Um dieses System auch nur ein kleines bisschen zu verstehen, genügt es nicht, sich aus nur einer Richtung anzunähern. Cognitive Science ist interdisziplinär: Eine zentrale Rolle spielen Informatik, Mathematik, Neurowissenschaft, Psychologie, Linguistik und Philosophie.

Ich halte dieses Fach für sehr interessant. Es ist, wie mein Studiengang auch, interdisziplinär - was für mich heißt: Nicht immer dasselbe Hauptthema sondern mehrere Fakultäten und mehr Abwechslung - was sich nett anhört,aber viel Arbeit und Nerven kosten kann ;)

Interview mit JAJAH

Frederik Hermann ist Online Marketing Manager von JAJAH. Ihn habe ich über E-Mail einige Fragen zu JAJAH gestellt und freue mich endlich wieder ein neues Interview im Lernblog veröffentlichen zu dürfen. Ich bin froh, dass Frederik Hermann die Zeit in seinen vollen Terminkalender gefunden hat und einer relativen kleinen Seite wie uns, die Möglichkeit für dieses Interview gegeben hat:

JAJAH.com Logo

Lern-Online.net: Skype kennen in Deutschland viele Menschen - JAJAH hingegen ist noch nicht so verbreitet in den Köpfen der Menschen, bitte stellen Sie uns ihr Unternehmen vor und nennen sie uns die Vorteile für Schüler und Studenten, die ihre Telefonrechnung, egal ob Festnetz oder mobil zu teuer halten.

Frederik Hermann: JAJAH ist eine innovative und userfreundliche Lösung, um kostenlose oder extrem günstige Telefonate zu führen – ohne Headsets, Mikrofon oder Software Download. JAJAH nutzt die bestehenden Telefone der Nutzer – Festnetz oder Mobil. Die Internetverbindung ist nur nötig, um das Telefonat im Web zu aktivieren, danach kann der Computer verlassen bzw. ausgeschaltet werden. JAJAH führt so das Beste aus beiden Welten, der traditionellen Telefonie und VoIP zusammen. JAJAH wurde Anfang 2005 von den Gründern Roman Scharf und Daniel Mattes entwickelt. Mit der JAJAH Mobile Suite kann man diese Telefonate nun auch direkt vom Handy aus initiieren. Anrufe zwischen registrierten JAJAH Nutzern sind vollkommen kostenlos in Deutschland, den meisten europäischen Ländern, sowie den USA, Canada und China.

Die Gründer von JAJAH Roman Scharf und Daniel Mattes

Gerade Studenten und Schüler, die noch etwas mehr auf den Geldbeutel schauen müssen oder gerade im Ausland studieren ist dies eine tolle Möglichkeit drastisch Telefonkosten zu sparen, aus dem Ausland mit den Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben (natürlich auch Ausländische Studierende in Deutschland) oder via Konferenzgespräch mal eben die Abend- oder Urlaubsplanung mit der gesamten Clique und einem einzigen Anruf zu organisieren.

Lern-Online.net: Können Sie mit so genannten Mobilfunk-Discounter konkurrieren und was wären ihre Vorteile gegenüber den Anbieter peterzahlt.de, der ebenfalls kostenlose Gespräche in viele Länder Europas ins Festnetz anbietet, jedoch eine Internetverbindung voraussetzt.

Frederik Hermann: JAJAH bietet dauerhaft und ohne Ausfälle kostenlose Telefonie an, auch lohnt sich JAJAH zum handyinternen Gebrauch, hier sind wir mit 15 Cent oft günstiger als der reguläre Vertrag. Global gesehen sind wir mit unserer Tarifstruktur und den kostenlosen Telefonaten extrem konkurrenzfähig, können aber nicht mit jeder speziellen Nischenlösung auf der ganzen Welt konkurrieren.

Lern-Online.net: Viele junge Leute kennen Skype, haben Skype benutzt und waren oft zufrieden damit. Welche Vorteile haben Sie gegenüber Skype und wie können Sie zufriedene Skype-Nutzer von ihrem Angebot überzeugen?

Frederik Hermann: Simplicity - Um JAJAH zu nutzen ist keinerlei technisches Wissen notwendig.

Beide Seiten benutzen Ihr eigenes Telefon (Handy oder Festnetz), man ist nicht an den Computer gebunden und man kann seine Freunden kostenlos anrufen, egal ob diese online sind oder nicht. Man braucht keinen Download und keine Software, man benötigt kein Headset und keine Breitbandanbindung.

Lern-Online.net: Ihre JAJAH “Fair Use” Politik erlaubt es leider nur höchstens 1 Stunde pro Tag bzw. 1000 Minuten pro Monat die kostenlosen JAJAH-Dienste zu benutzen, dies sehe ich leider als kleinen Nachteil gegeben über peterzahlt.de, obwohl ich natürlich verstehen kann, das sie Missbrauch vermeiden wollen und auch kein Verlustgeschäft machen wollen. Werden Sie vielleicht in Zukunft ihre “Fair Use” Politik wenigstens verdoppeln, damit man durchschnittlich eine Stunde pro Tag kostenlos telefonieren kann über Jajah ?

Frederik Hermann: Selbst beim Überschreiten unserer Limits fallen die minütlichen Gesprächskosten im Schnitt lediglich mit 1-2 Cent zu Buche, das ist nach wie vor einer der günstigsten Tarife auf dem Markt.

Lern-Online.net: Warum müssen für kostenlose Anrufe beide Gesprächspartner registriert sein ?

Frederik Hermann: Dies ist eine einfache Sicherheitsmaßnahme, um User die der Community schaden möchten im Interesse aller sperren zu können.

Lern-Online.net: Um die Mobilfunkkosten zu senken, kann man für Gespräche und SMS-Versand seit neusten mit JAJAH Mobil über sein eigenes Handy benutzen, ohne mobiles Internet verwenden zu müssen. Wie funktioniert das genau ?

Frederik Hermann: Man lädt sich eine kleine Applikation einmalig auf das Handy und kann von diesem Zeitpunkt an die sonst von der Webseite aus initiierten Anrufe direkt vom Handy aus tätigen ohne sein Telefonierverhalten zu verändern. Einfach die internationale Nummer wählen und JAJAH übernimmt den Rest. Die Tarifstruktur ist die gleiche wie bei JAJAH Web. Auch das Anrufen bestimmter anderer Mobilfunknetze kann mit JAJAH sehr viel günstiger ausfallen (15 Cent pro Minute), als mit dem regulären Vertrag. Dazu kann man bestimmte Vorwahlen einfach in der Applkation hinzufügen, die dann ebenfalls über JAJAH abgewickelt werden.

Lern-Online.net: Was tun Sie gegen Missbrauch und damit meine ich nicht automatische Nutzung, sondern, dass jemand die Nummer von einen Bekannten als seine angibt und dann jemanden anrufen möchte. Braucht man deswegen einen Account, damit man nur seine eigene Festnetznummer benutzen kann ?

Frederik Hermann: Diese Art des Missbrauchs wird durch die Registrierungsmodalitäten so weit wie möglich eingeschränkt. Es gibt ausserdem aus diesem Missbrauch überhaupt keinen Nutzen.

Lern-Online.net: Wie sieht es mit der Zukunft von JAJAH aus? Wird es beispielsweise günstigere UMTS-Tarife als die der Mobilfunkbetreiber geben oder einen günstigen MMS-Versand ?

Frederik Hermann: Grundsätzlich wird bei der JAJAH Tarifgestaltung nicht an den Preisen von Mobilfunkanbietern gemessen, sondern das Ziel verfolgt, Telefonie global so kostengünstig wie möglich anzubieten. Im direkten Vergleich steigt der JAJAH Nutzer generell besser aus. Weiterhin werden wir unsere bestehenden Dienste stetig verbessern, mit Kooperationen in bestehende Portale einbinden und immer weitere Möglichkeiten schaffen JAJAH in die alltägliche Computernutzung integrieren zu können.

Wir danken Frederik Hermann für dieses Interview und wünschen ihn und JAJAH viel Erfolg.

Interview mit Christian Hammer

Christian Hammer habe ich über openBC kennen gelernt. Ich habe durch ihn einige Informationen und Erfahrungen über Hochschulen, das Studiumfach Wirtschaftsinformatik und seine Arbeit bei simple fact AG erfahren.

Christian Hammer

Lern-Online.net: Lieber Herr Hammer, sie haben an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt Wirtschaftsinformatik studiert. Warum haben Sie sich dafür entschieden und haben sie diese Entscheidung nie bereut? Für welche Menschen empfehlen Sie Wirtschaftsinformatik zu studieren anstatt Informatik oder BWL/VWL ?

Christian Hammer: Lieber Herr Kosba, in Würzburg an der dortigen Fachhochschule Wirtschaftsinformatik zu studieren, habe ich nie bereut, obwohl ich aus heutiger Sicht mein Studium mit Auslandssemestern oder -praktika sicherlich noch interessanter hätte gestalten können. In Würzburg zu studieren hat mir außerdem sehr viel Freude bereitet, da diese Stadt für ein angenehmes Studentenleben sehr viel bietet. Um sich für eine Studienrichtung zu entscheiden, sollte man seine Begabungen und Interessen genau kennen. Wirtschaftsinformatik empfehle ich jedem dem die bloße Informatik zu technisch und die bloße BWL / VWL zu trocken bzw. theoretisch ist.

Lern-Online.net: Seit einiger Zeit arbeiten Sie für sie simple fact AG. Welche Aufgaben haben sie in diesem Unternehmen und wie sieht ihr typischer Arbeitsalltag und Tagesplan aus.

Christian Hammer: Für die simple fact AG (http://www.simplefact.de) arbeite ich als Consultant (Berater) seit April diesen Jahres. Meine Aufgaben und ebenso mein Arbeitsalltag in dem Unternehmen sind abhängig von meinen Projekten, an denen ich arbeite. Diese Projekte können beispielsweise die Einführung eines CMS (Content Management System –> damit können Homepage-Inhalte verwaltet werden), Migration von Software (Software von Hersteller A soll durch Software von Hersteller B abgelöst werden) oder auch die Einführung eines Softwaresystems sein. Als Consultant muss man deswegen flexibel sein, gerade auch weil man oft beim Kunden vor Ort arbeitet.

Lern-Online.net: Business Intelligence ist ein großter Wachstumsmarkt in der IT-Branche. Um was handelt es sich konkret und können Sie uns praxisnahe Beispiele nennen aus der Welt eines Jugendlichen oder Studenten ?

Christian Hammer: Business Intelligence (kurz BI) ist kurz gesagt die (geschäftliche) Analyse aller Daten eines Unternehmens (und seines Umfelds). Ein einfaches Beispiel, was mit BI möglich ist: Wenn man die einzelnen Noten in allen Fächern der letzten 5 Jahre eines einzelnen Schülers betrachtet, ist das eine überschaubare Menge. Nimmt man jetzt die Noten der letzten 5 Jahre aller Fächer alle Schüler einer Schule in Berlin, so wird die Menge schon unübersichtlicher. BI könnte an dieser Stelle dafür sorgen, dass trotz dieser vielen Daten “Berechnungen” mit den Noten angestellt werden, also z.B. der Durchschnitt der Jahrgangsstufe 9 im Fach Mathematik im Jahr 2005 errechnet wird. Wenn man an dieser Stelle ein bisschen “weiterspinnt”, kann man mit diesen Daten sogar Vorhersagen über den Durchschnitt für 2006 anstellen (Stichwort: Data Mining).

Lern-Online.net: Das Internet wird immer wichtiger: Fernsehen,Telefonieren und (gleichzeitzig) Surfen wird durch Techniken wie VDSL2 möglich sein, wie schätzen Sie die Wichtigkeit des Internets für Unternehmen und Privatpersonen in naher und später Zukunft ein ?

Christian Hammer: Das Internet als Medium ist in meinen Augen sehr wichtig, wird aber trotzdem massiv überschätzt. Das Internet steckt zwar nicht mehr in den Kinderschuhen, aber dennoch hat es noch einige Kinderkrankheiten. Ich denke, dass die Zukunft des Internets in der Selbstverständlichkeit liegt: Alles und Alle sind miteinander vernetzt, und keiner merkt’s. Soll heißen, für alle ist selbstverständlich, dass es so ist. Hier sind natürlich neben Fragen des gläsernen Nutzers (Datenschutz) auch Fragen der technischen Realisierbarkeit zu beantworten. Ein Unternehmen kann es sich meiner Einschätzung mittel- und langfristig nicht mehr leisten, das Internet zu ignorieren.

Lern-Online.net: RFID-Chips sind in diesem Jahr in aller Munde. Unternehmen werden sicherlich haufenweise Vorteile durch die Benutzung solcher Überwachsungssysteme haben. Sehen sie Datenschutzprobleme oder gar -verletzungen bei einer ständig vergrößerten Anwendung von RFID-Chips oder halten Sie diese Technik für innovativ und bahnbrechend?

Christian Hammer: RFID (Radio Frequency Identification –> Identifizierung über Funkwellen) hat sehr viel Potential. Damit wäre es denkbar, Waren des klassischen Einzelhandels (Supermarkt, Tante Emma Läden) aber auch beispielsweise Ausweise (Personalausweis, Reisepass, Krankenversicherungskarte) zu markieren. Und genau hier liegt das Problem. So einfach mit der Technik z.B. das schnelle Bezahlen an der Kasse möglich wird (die Waren im Einkaufswagen senden ihre Preise an den Wagen, dieser sendet sie an die Kasse, sobald er davor steht) und soviele Vorteile sich dadurch ergeben, so viele Nachteile entstehen im Hinblick auf den Datenschutz zum Beispiel dabei, wenn so ein Chip auf einem Reisepass ist.

Lern-Online.net: Softwarepatente ist in der IT-Welt ein großes Streitthema. Können Sie uns schildern, was die wichtigsten Vorteile bzw. Nachteile wären und wie sie die entgültige Entscheidung der EU diesbezüglich einschätzen? Ausführliche Informationen über das Thema bekam ich durch das Buch “Die Lobbyschlacht um Softwarepatente” von Florian Müller.

Christian Hammer: Ein Vorteil, der sich aus der Patentierung von Software ergibt, ist der Schutz des geistigen Eigentums. Dadurch hätten (je nach Umsetzung des Gesetzes bzw. der Richtlinie) kleinere Unternehmen theoretisch die Chance mit sogenannten global playern (also Firmen, die auf der ganzen Welt vertreten sind) mitzuhalten. Ein Nachteil ist, dass bekannte Produkte dadurch teurer werden könnten. In normalen Gegenständen (Auto, Kühlschrank, Aufzug, Zigarettenautomat, etc.) stecken soviele kleine Software-Programme drin, die allesamt schützenswert sind bzw. wären, dass für jeden Einsatz (z.B. für den Einsatz eines Programms zur Steuerung der Kühlschranktemperatur) Gebühren an den Softwarepatentinhaber abzutreten wären.

Lern-Online.net: Mal eine ganz andere Fragen: Immer wenn es eine neue Technik gibt, versuchen schlaue und kriminelle Menschen diese zu missbrauchen: Bei E-Mail war es Spam, bei Online-Banking Phishing und bei Computer natürlich die bekannten Viren,Trojaner etc. - die neuen technischen Möglichkeiten ergeben auch neue kriminelle Ideen für IT-Kriminalität wie Datenklau oder -missbrauch durch bspw. “Social Phishing” auf Plattformen wie openBC und MySpace wie man es im Telepolis auf http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22342/1.html nachlesen kann. Sehen Sie dadurch ein große Gefahr und denken Sie das mehr IT im Leben der modernen Menschen eher Vorteile bringt oder mehr Bequemlichkeit und kaum Vorteile bringt ?

Christian Hammer: Wie alles bei allem Leben gibt es überall Vor- und Nachteile. So bequem uns Computer bzw. die IT das Leben auch schon machen, so schwierig wird es für uns, wenn wir uns ausschließlich darauf verlassen. Ich denke hier nicht nur an Kriminelle (die ich nur ungern als schlau bezeichnen würde), ich denke vor allem an die kleinen Dinge. Viele Menschen haben vor 15 Jahren noch unzählige Telefonnummern im Kopf gehabt, heute sind die im Handy, im Mobilteil, im Outlook oder sonst wo gespeichert und es beginnt ein riesen Chaos, wenn eine der Quellen abstürzt. Heute stehen wir an einem Punkt, an dem wir uns nicht blind auf die Technik oder die IT verlassen können und ich der Meinung bin auch nicht sollten.

Lern-Online.net: Wie ist ihre Meinung zum Thema E-Learning? Denken Sie das Hochschulen das Angebot kontinuierlich für E-Learning bzw. Blended Learning (Integriertes Lernen) steigern werden und so möglicherweise mehr Menschen zu studieren werden und zwar sogar, was sie wollen und wo sie wollen und somit kaum oder keine Wartesemester haben werden und nicht auf eine “Durchschnitts-Hochschule” gehen müssen?

Christian Hammer: Das Thema e-Learning wird meiner Meinung nach immer wichtiger. Durch die Hochschulreform können die renomierten, aber auch die neuen e-Learning-Plattformen sogar noch an Fahrt gewinnen. Ich denke, dass den Studierenden durch virtuelle Hochschulen, aber auch durch beispielsweise europaweit anerkannte akademische Titel viele Freiräume ermöglicht werden. Man muss aber meiner Meinung nach auch Studium und die Zweckmäßigkeit im Auge behalten. Es ist schließlich ein Unterschied ob ich “virtueller Arzt” oder “virtueller Informatiker” bin.

Lern-Online.net: Welchen IT-Unternehmen sympathiesieren (außer ihrer natürlich ;-) Sie und warum ? Erzählen Sie uns zu diesen Firmen ihre prognostizierte Zukunft für deren Markstärke.

Christian Hammer: Es gibt eine Reihe von IT-Unternehmen, die ich sympathisch finde, wobei ich mich da jetzt auf zwei beschränken möchte. Das erste ist Oracle. Dieses Unternehmen hat neben seiner aktuellen Marktführerschaft im Datenbankbereich in meinen Augen soviel Weitsicht, dass es im Bereich der Datenhaltung und -auswertung auch in den nächsten Jahren deutlich die Nase vorn haben wird. Das zweite Unternehmen mit dem ich sympathisiere (und viele geplagte Benutzer mögen mir das verzeihen), ist Microsoft. Dieser Firma traue ich zu, dass sie den Heimanwendermarkt still revolutionieren wird. Und damit wird sie wieder Standards setzen.

Lern-Online.net: Welche Bücher oder Persönlichkeiten haben ihr Leben beeinflußt und warum ?

Christian Hammer: Sehr beeinflusst haben mich Werke von Robert Anton Wilson (Illuminatus 1-3, Cosmic Trigger, Schrödingers Katze), Stanislaw Lem (Sternentagebücher, Solaris und Der futorologische Kongress) und natürlich Douglas Adams (Per Anhalter durch die Galaxis 1-5). Diese beiden Autoren verstehen es zum Denken anzuregen, zu hinterfragen und mit geschickten Manipulationen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Lern-Online.net: Was gefällt ihnen genau an unseren Projekt “Lern-Online” besonders und was würden Sie gerne bei uns ändern, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?

Christian Hammer: Bei Lern-Online finde ich die klare Struktur sehr gut. Außerdem sind die Inhalte sehr verständlich aufgearbeitet und lenken nicht durch unnötigen Schnickschnack ab.

Wenn ich was ändern könnte, würde ich die Google-Anzeigen raus nehmen.

Lern-Online.net: Vielen Dank für ihre Mühe, Herr Hammer!

Christian Hammer: Für das Interview möchte ich mich gern bei Ihnen bedanken und Ihnen für Ihre Zukunft das Allerbeste wünschen.

UPDATE: Über XING schrieb mir Christian Hammer am 22.11.06 folgendes:

Hallo Grischa,

die Frage, was Business Intelligence an und für Schulen / Hochschulen bedeuten könnte, hat mich nicht los gelassen. Durch Zufall bin ich auf diesen Vortrag gestoßen:

http://www.cognos.com/de/performance2006/pdf/04TechTalk/18_Gunter_Muller_FH_Emden_Prasentation_IN2.pdf

Vielleicht ist der ja interessant für dich.

Interview mit Lucas Wyrsch

Lucas Wyrsch ist für mich in letzter Zeit häufig die ultimative Anlaufstelle für Anfragen über Web 2.0 und deren eigentlichen Nutzen, wie Netzwerke funktionieren und wie wir Lern-Online verbessern sollten, unter anderen durch ihn kam ich auf die Idee den Lernblog zu starten. Ich halte Lucas Wyrsch für einen sehr netten und interesanten Menschen und wollte etwas von seiner Lebenserfahrung bzw. Web-Technologie Wissen euch teilhaben lassen. Hier kommt das Interview:

Bild von Lucas Wyrsch

Lern-Online.net: Lieber Herr Wyrsch, vor eineinhalb Jahren traf ich sie im Diskussionsforum Ayom, dabei versuchten Sie für “Lern-Online” viele hilfreiche Tipps zur Optimierung und Verbreitung zu machen. Mittlerweile haben wir auch deutlich unsere Besucherzahlen gesteigert und es gibt mehr aktive User im Forum. Was sollten wir ihrer Meinung nach machen, damit Lern-Online noch mehr bekannt wird und vor allem positiv bekannt wird?

Lucas Wyrsch: Guten Morgen Herr Kosba,Vielen Dank für Ihr Interview.
Wichtig beim Optimieren von Sites ist, daß sich das alexa ranking permanent verbessert, beziehungsweise, daß sich der Traffic verbessert. Solange die Besucherzahlen von “Lern-Online” steigen, steht alles zum Besten. Mehr Traffic erhält man durch ein besseres PageRank, das durch größere Aktivitäten in Foren und sozialen Netzwerken, aber auch durch gute Affiliate Programme, interessante Blog Beiträge und mehr Kundenzufriedenheit erreicht wird. Eine der wichtigsten Komponenten ist das Vertrauen der Nutzer, wie es Dean Lindsay in Cracking the Networking Code erklärt.

Lern-Online.net: Sie haben jede Menge Erfahrungen mit neuen Web-Techniken bzw. Trends, die auch unter dem Begriff “Web 2.0″ bekannt sind wie RSS, Blogs, Social Networks und ähnlichen Trends des 21. Jahrhunderts. Was ist so innovativ an diesen Techniken und was wird die Zukunft, ihrer Meinung nach kommen ? Vor allem im Bezug auf E-Learning, wie es das Projekt “Mindpicnic“, mit dessen Webmaster wir ebenfalls ein Interview führten, mit einer Web 2.0 Idee des E-Learnings versucht ?

Lucas Wyrsch: Web 2.0 ist primär ein Paradigmenwechsel aus der geschlossenen, proprietären Welt in die offene Ära der Zusammenarbeit. Das schönste Beispiel sehen wir bei Microsoft, wo Bill Gates, der die Kernaktivität von Microsoft im Verkauf von Lizenzen gesehen hat, sich durch seinen Rivalen und Konkurrenzen Ray Ozzie ersetzen ließ, der ein ausgesprochener Spezialist von Software im Bereich der Zusammenarbeit ist. Schaufenster aus der klassischen Welt der industriellen Revolution werden im Zeitalter des IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) durch Tags ersetzt und das Advertising wird zum Tagvertising, beziehungsweise zur Folksonomy.

Lern-Online.net: Studienplätze sind begrenzt, jedoch gibt es jedes Jahr eine große Nachfrage nach Studienplätzen. In der FU Berlin gibt es schon jede Menge Bemühungen E-Learning Elemente zu verwirklichen, wie man unter E-Learning an der FU Berlin in der Wikipedia nach lesen kann. Inwieweit kann e-Learning ihrer Meinung nach den Besuch eines Hörsaals ersetzen bzw. ergänzen ?

Lucas Wyrsch: E-Learning wird immer wichtiger, weil es zeitlich und räumlich unabhängig ist und dadurch viel günstiger wird, denn man spart einerseits die Transportkosten in den Hörsaal ein und hat andererseits auch keine, durch Transport verursachte, Zeitverluste. Da es beim Studium jedoch immer auch darum geht, sich ein Beziehungsnetz aufzubauen und dies beim eLearning fehlt, soll, wer sich online weiterbildet, sich auch gleichzeitig in sozialen Netzwerken wie beispielsweise ecademy, LinkedIn, openBC oder orkut einschreiben, denn Wissen allein, selbst in der heutigen Wissensgesellschaft, ohne Vernetzung, Kontakte und Beziehungen bringt den gewünschten Erfolg nicht unbedingt. Viel mehr geht es darum, wie Mark Granovetter in “The strength of weak ties” erklärt, sein soziales Netzwerk nicht nur auf Freunde zu beschränken, sondern auch auf entferntere Beziehungen zu erweitern und dafür sind online soziale Netzwerke sehr geeignet.

Lern-Online.net: In ihren openBC Profil steht das Sie 9! Sprachen beherrschen. Damit übertreffen sie sogar unseren Fremdsprachen-Redakteur Richard Jörges, der 8 Sprachen beherrscht. Wie haben Sie es geschafft so viele Sprachen zu erlernen und wie schaffen sie es, alle 9 Sprachen im täglichen Leben zu verwenden bzw. nur irgendwie zu wiederholen, um das Gelernte vor 10 bzw. mehr Jahren nicht zu vergessen?

Lucas Wyrsch: Sprachen sind Vektoren der Kommunikation. Wer viel und aktiv reist, wird viele Sprachen lernen. Einer der bekanntesten deutschen Archäologen, Heinrich Schliemann, soll neben deutsch auch noch englisch, französisch, niederländisch, spanisch, portugiesisch, schwedisch, italienisch, griechisch, lateinisch, russisch, arabisch und türkisch gesprochen, geschrieben und gelesen haben. Im Cluetrain Manifesto lernen wir, daß Märkte Gespräche sind. Einer der Gründe des ausserordentlichen Erfolges von Google liegt in der Mehrsprachigkeit, denn Google ermöglich, die eigene Google Suchmaschine gegenwärtig in über 117 Sprachen einzustellen. Weltweit sollen rund 6′700 Sprachen gesprochen werden, nur etwas mehr als 200 werden jedoch von über einer Million Menschen gesprochen und nur eine von über einer Milliarde und es handelt sich nicht um englisch, sondern um chinesisch. Chinesisch wird nicht nur in China, sondern auch in Japan und Korea geschrieben, wobei sowohl Japan als auch Korea auch über ihre eigenen Alphabete verfügen. Japan verfügt neben dem Kanji (den chinesischen Schriftzeichen) gleich noch über zwei eigene Alphabete, dem Hiragana, das japanische Begriffe, für welche es kein Kanji Schriftzeichen gibt, beinhaltet und Katakana, das vor allem von anderen Sprachen in die japanische Sprache importierte Ausdrücke darstellt. Chinesisch wird zwar nur von 16% der Weltbevölkerung gesprochen, aber von 25% geschrieben und gelesen, wenn man beide chinesischen Schreibweisen, die vereinfachten kurzen und die traditionellen langen, zusammenzählt.

Lern-Online.net: Sie haben in Peking, der Hauptstadt von China studiert. Erzählen Sie uns bitte etwas über dieses interessante Land und deren Zukunftsvisionen. Suchmaschinen zensieren die Suchergebnisse in China und Menschen arbeiten dort wie Maschinen, damit wir Europäer alles günstig bekommen - stimmen Sie diesen Aussagen überein ?

Lucas Wyrsch: Der Chinese Bi Sheng entwickelte in China zwischen 1041 und 1048 die Druckkunst mit beweglichen Lettern rund 400 Jahre vor dem Deutschen Johannes Gutenberg. China hat auch den Kompass erfunden und beherrschte alle Weltmeere bis ins Jahr 1433 . Nachdem Im Jahr 1433 der chinesische Kaiser XuanDe den Bau großer chinesischer Meerschiffe und den Außenhandel unter Androhung der Todesstrafe verbieten ließ, begann für China die Isolationsphase, welche durch die vierte Bauphase der chinesischen Mauer noch amplifiziert wurde. Die Folge war, daß China den Vorsprung in Technologie, Wissenschaft, Kunst und Literatur zu verlieren begann. Die chinesische Astrologie kennt 12 Jahre und 5 Elemente und unterteilt sich in 60 jährige Zyklen. Der russische Wirtschaftswissenschafter Kondratieff entwickelte unabhängig von den Chinesen Zyklen von 60 Jahren, die er ” die langen Wellen der Konjunktur” nannte und anhand empirischen Materials aus Deutschland, Frankreich, England und den USA feststellte, daß die kurzen Konjunkturzyklen von langen Konjunkturwellen überlagert werden. Diese rund 60 Jahre dauernden langen Wellen bestehen aus einer länger andauernden Aufstiegsphase und einer etwas kürzeren Abstiegsphase. Basiere ich mich auf Kondratieffs lange Zyklen und nehme ich das Jahr 1433 als Beginn des Abstiegs komme ich nach zehn großen Kondratieffzyklen von 60 Jahren ins Jahr 2033! Meiner Hypothese nach dürfte im Jahr 2033 China wieder die Weltvormacht in Technologie und Forschung erreicht haben.

Lern-Online.net: Wie wird in China gelernt? Damit meine ich den Stellenwert von Bildung in der Gesellschaft und Politik. Ich habe nämlich dazu gerade eine interessante Website gefunden: Umfangreichste Bildung der Welt - kein Wunder, bei dir Masse an Menschen müssen einfach die Genies von morgen zu finden sein, denken Sie auch so ?

Lucas Wyrsch: Bildung ist in der konfuzeanischen Kultur Chinas das wichtigste überhaupt. Konfuzius gründete eine Schule der Philosophie, deren zentraler Wert die Ordnung war, die seiner Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar wird. Im Mittelpunkt seines Denkens stand der „Edle”, ein moralisch einwandfreier Mensch. Der Gedanke der Harmonie spielt eine bedeutende Rolle in seiner Weltanschauung: “Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint”, sah Konfuzius als das höchste menschliche Ziel an. “Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht” seien das Ziel. “Lernen ohne zu denken ist sinnlos, aber denken ohne zu lernen ist gefährlich”. Das Portal Sina.com veröffentlicht in ihrem Media Kit eine interessante, statistisch relevante Studie, nach der Chinesen in den USA die höchste Quote an Universitätsdiplomanden hätten. Chinesen lernen übrigens erstaunlich viel online. Aber auch in Japan gehört Bildung, seit dem Einfluss von Fukuzawa Yukichi als wichtigste Voraussetzung der Modernisierung.

Lern-Online.net: Blended Learning habe ich vor ein paar Wochen entdeckt, jedoch kenne ich dafür keine praktischen Beispiele. Kurzgefasst Blended Learning will die Vorteile von e-Learning nutzen , also die Flexibilität und Effektivität und die Nachteile sollen durch soziale Aspekte der Kopf-zu-Kopf Kommunikation verbinden. Was hälst du von diesen Ideen und wie denkst du über deren zukünftigen Erfolgsaussichten?

Lucas Wyrsch: Ich erwähnte am Anfang, daß lernen allein, ohne Aufbau eines sozialen Neztes, nicht optimal sei. Blended Learning ermöglicht eine Kompensation des Lernens mit dem Aufbau eines sozialen Netzwerkes. Ich denke, daß man heute durch online soziale Netzwerke beides vereinen kann. Wer nicht an online sozialen Netzwerken teilnehmen will, wird mit Blended Learning eine sinnvolle Alternative finden.

Vielen Dank für das sehr informative Interview!

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