Johan Galtung – Ein Gründungsvater der Friedens- und Konfliktforschung

Der mittlerweile 76-Jährige Johan Galtung ist ein norwegischer Professor. Bekannt ist er vor allem als Direktor des internationalen TRANSCEND Netzwerks. Dieses Netzwerk für Frieden und Entwicklung bezeichnet ihre Aufgabe folgendermaßen:Johan Galtung

A Peace and Development Network for Conflict Transformation by Peaceful Means

Zu Deutsch, ein Friedens- und Entwicklungs-Netzwerk für Konfliktüberstreitung durch friedliche Methoden. So gilt Galtung als Begründer der Transcend-Methode (engl: transcend = überstreiten), die die schrittweise Überstreitung von Konflikten beschreibt. Damit die Konfliktparteien die Fähigkeit bekommen, den Sachverhalt objektiv zu beurteilen, brauchen Sie einen fähigen Vermittler, der diese Eigenschaft des objektiven Bildes des Konflikts fördert. Diese Methode gliedert man in drei Phasen: Konfliktgrund lösen, entstandenen Schaden beheben/ausgleichen (falls möglich) und letztendlich die Versöhnung der “Streithähne”.

1959 gründete Johan Galtung in der norwegischen Hauptstadt Oslo das Internationale Friedensforschungsinstitut PRIO (The International Peace Research Institute, Oslo).

Galtung wirkte weltweit in über 40 Konflikten als Vermittler. In Krisengebieten wie den Nordkaukasus, Ecuador, Afghanistan sowie Sri Lanka war er aktiv. Dabei prägte er die Begriffe “strukturelle Gewalt” und “positiver Frieden”. Er war außerdem maßgeblich an der Entwicklung des Konzepts der “Sozialen Verteidigung” beteiligt.

Soziale Verteidigung steht für eine Alternative zu Krieg und millitärischen Putsch. Der Schwerpunkt liegt bei der Verteidigung der Strukturen der Zivilgesellschaft gegenüber militärischen Übergriffen von einem anderen Land oder Handlungen von Putschisten.

Galtung setzt sich außerdem enorm dafür ein, dass die Vereinten Nationen (UN) demokratischer wird. Die Etablierung eines Weltparlament hat er in vielen Reden und Artikel gefordert.

1987 erhielt er für seine hervorragende Arbeit den alternativen Friedensnobelpreis und 1993 den Gandhi-Preis.

In den 70er Jahren hatte er bereits den Zusammenfall der Sowjet-Union im Jahr 1990 vorhergesagt. Diese Vorhersage traf weniger als ein Jahr früher wirklich zu. Eine ähnliches Szenario prophezeit Galtung den Vereinigten Staaten von Amerika. Die USA soll 2020 ebenfalls zusammenbrechen!

 

29. Juni 2007     Grischa     Politik | add to mister wong     kommentieren

4 neue postgraduale Studiengänge ab dem Wintersemester 2007/2008

Heute habe ich bereits über den Online-Studiengang “Wissenschaftsmarketing” an der TU Berlin vorgestellt. Dieser kann nur mit einem erfolgreich abgeschlossenen Diplom- bzw. Bachelor-Hochschulabschluss angefangen werden. Diese Studiengänge nennt man auch postgraduale Studiengänge. Im nächsten Wintersemester gibt es an drei Universitäten und einer Fachhochschule ebenfalls neue Studiengänge für Absolventen eines Hochschulstudiums. Diese möchte ich an dieser Stelle vorstellen:

Polymerwissenschaften an der Fachhochschule Gelsenkirchen

Gemeinsam mit der Universität Dortmund bietet die Fachhochschule Gelsenkirchen den Master Studiengang Polymerwissenschaften an. Bisher findet man Informationen auf der Fachhochschul Website, die als Studienort Recklinghausen angeben. Die Regelstudienzeit beträgt 4 Semester . Die Fachhochschule schreibt:

Der Masterstudiengang Polymerwissenschaften will diese Lücke zu schließen versuchen und eröffnet Hochschulabsolventen in Chemie, Materialtechnik und verwandten Studienrichtungen die Möglichkeit, sich entweder direkt nach dem grundständigen Studium oder nach einer Berufsphase für dieses Feld fortzubilden. Der Studiengang lehrt die Physik und Chemie, die Synthese und die Analytik, die Technik und die Produkte von Polymeren. Auf die Absolventen warten nach dem „Master of Science” Positionen mit hoher Entscheidungskompetenz und internationalem Tätigkeitsbereich.

Optics in Science and Technology an der Universität Jena

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena bietet als einzige deutsche Hochschule gemeinsam mit 5 anderen europäischen Hochschulen ab kommenden Herbst den den internationalen Masterstudiengang “Optics in Science and Technology” (OPSITECH) anbieten werden.
Die Universität schreibt:

Er richtet sich an Master-Studierende und Hochschullehrer aus der ganzen Welt, die mit gut dotierten Stipendien der EU gefördert werden können. Dies hat die Europäische Kommission jetzt entschieden und finanziert im Rahmen ihres Exzellenzprogramms “Erasmus Mundus” in den kommenden fünf Jahren bis zu 25 außereuropäische OPSITECH-Stipendiaten mit bis zu 21.000 Euro pro Jahr.

Weitere Informationen zu diesen postgradualen Studiengang findet man in der Mitteilung von der Universität Jena. Das Institut für Angewandte Optik, FSU Jena bietet weitere Informationen zum Thema.

Deutsche und Französische Philosophie in Europa (EuroPhilo) an der Universität Luxemburg

Die Universität Luxemburg bietet in Kooperation mit den Universitäten Münche, Bochum und Wuppertal den Studiengang “Master Mundus “German and French Philosophy in the European Context”. Auf der Informationsseite zu diesen Studiengang heißt es unter anderem:

Das europäische Master-Mundus-Programm “Deutsche und Französische Philosophie in Europa (EuroPhilo)” bietet für exzellente Studierende aus aller Welt einen zwejährigen Studiengang an, der auf höchstem pädagogischen und wissenschaftlichen Niveau auf die deutsche und französische Philosophie und ihre gegenseitigen Einflüsse spezialisiert ist. Die in einem streng selektiven Verfahren ausgewählten Studentinnen und Studenten werden während der vier Semester auf drei der sieben Universitäten des Konsortiums verteilt, wobei 13 außer-europäischen Studenten ein jährliches Stipendium von 21 000 Euro und 13 europäischen Studenten ein Erasmus-Sokrates-Stipendium gewährt wird.

Weitere Informationen könnt ihr auf der Universitätsseite zum Studienfach in deutsch, englisch und französisch nachlesen.

Medizinrecht an der Universität Düsseldorf

Wichtige Teile der Medizin werden heutzutage durch ein komplexes System von Rechtsnormen bestimmt. Deshalb ist das Medizinrecht in den vergangenen Jahren zu einen eigenständigen rechtlichen Disziplin herangewachsen.
Die juristische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat deshalb das eines einjährigen Weiterbildungsstudiengang entwickelt. Das Institut für Rechtsfragen der Medizin bietet daher ab den kommenden Wintersemster 2007/08 den Masterstudiengang Medizinrecht (MedR LL.M.). Ein vergleichbaren Weiterbildungsstudiengang bietet derzeit in Deutschland nur die Dresden International University.

Die Universität schreibt unter anderem:

Die praxisorientierte Ausgestaltung des LL.M. Programms vermittelt den Absolventen umfassende fachliche Kenntnisse und berufsspezifische Fähigkeiten, die sie in die Lage versetzen, den Anforderungen eines Juristen im gesamten Bereich des Medizinrechts gerecht zu werden. Die Breite der Ausbildung spiegelt sich in der Auswahl der Lehrenden wieder. So konnten als Dozenten nicht nur die Professoren der Juristischen Fakultät, sondern auch viele ausgewiesene Fachleute aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern gewonnen werden. Um die besondere Qualität der Ausbildung zu sichern, ist der Studiengang auf maximal 25 Teilnehmer begrenzt.

Weitere Informationen findet man auf Studiengang-Medizinrecht.de, sowie auf der Institut Website.

28. Juni 2007     Grischa     Hochschule, Studium | add to mister wong     2 Kommentare

Wissenschaftsmarketing an der TU Berlin als Online-Studiengang im Blended Learning-Format

An der TU Berlin bietet man ab dem kommenden Wintersemester 2007/ 2008 den bundesweit ersten Master-StudiengangWissenschaftsmarketing TU Berlin “Wissenschaftsmarketing” auch im Blended Learning-Format an. Blended Learning bezeichnet integriertes Lernen, das die Vorteile von Präsenzveranstaltungen und dem E-Learning kombiniert. Dieses Studium wird berufsbegleitend über vier Semester als Kombination aus Online-Lernphasen mit so genannten Teletutoren, Studienbriefen und Präsenzphasen angeboten. Der Student hat insgesamt acht Module, die jeweils mit einer Präsenzphase beginnen.

Das man durch ein Internet-Zugang jederzeit und nahezu überall studieren kann, müsste jeden normalen Studenten in Deutschland langsam klar geworden sein, aber dennnoch wirbt die Hochschule mit den Worten: “uneingeschränkten bundesweiten Studierbarkeit” sowie einen Verweis auf dem Privileg, dies vom eigenen Schreibtisch aus tun zu können. Es geht nämlich um das Zusatznutzen gegenüber dem Präsenzstudiengang.

Dieses Studium soll den Studenten für den Einsatz in der Öffentlichkeitarbeit, im Marketing im Management von Forschungsinstitute und wissenschaftlichen Einrichtungen qualifizieren. Wenn man das Online-Studium erfolgreich durchläuft erhält man, als Absolvent, den internationalen Titel “Master of Science”.

Die Technische Universität Berlin gibt an, dass der Arbeitsumfang identisch mit den Präsenzstudiengang ist. Man muss allerdings 450,- EUR Studiengebühren pro Monat bezahlen, das entspricht 2700,- EUR pro Semester bzw. 10.800,- EUR Gesamtkosten. Man muss dazu sagen, dass momentan es an Berliner Hochschulen keine Studiengebühren gibt. Man kann sich ab sofort für diesesn Online-Studiengang “Wissenschaftsmarketing” bewerben, die Zulassungsvorrassetzungen und ein Anmeldeformular zum Ausdrucken findet man auf Anmeldung & Zulassung.

Weitere Informationen zum Thema findet ihr auf:

Online-Master Wissenschaftsmarketing der TU Berlin Servicegesellschaft mbH: Kurzbeschreibung, Zielgruppe & Berufsbild, Module & Dozenten, Blended-Learning-Format, Die Lernplattform, Anmeldung & Zulassung, Kontak & Impressum

Fakultät VIII Wirtschaft & Management – Diese übernimmt die Durchführung des Studiengangs

Blended-Learning in der deutschen Wikipedia mit schönen Anwendungsgrafik.

28. Juni 2007     Grischa     Blended-Learning, E-Learning, Hochschule, Studium | add to mister wong     1 Kommentar

Inder statt Kinder? – Vereinfachung des Zuwanderung für Fachkräfte

Im Jahr 2000 stand Deutschland vor dem Problem zu wenig IT-Spitzenkräfte im eigenen Land zu finden, daher hatte die Koalition von Sozialdemokraten und Grünen von August 2002 bis Ende 2004 die Greencard ins Leben gerufen. Es ist die Kurzform vom „Sofortprogramm zur Deckung des IT-Fachkräftebedarfs“. 2005 wurde das Programm durch das neue Zuwanderungsgesetz ersetzt. So wurden bisher 17.931 Experten, die nicht aus der EU bzw. der Schweiz für maximal 5 Jahre nach Deutschland geholt. Von den Wirtschaftsvertretern begrüsst, nicht jedoch von der damaligen Oppositionsführer CDU.

Es gab damals gegen dieses Programm eine berühmte rechtspopulistische Äußerungen vom CDU-Politiker Jürgen Rüttgers (heute Ministerpräsident von NRW) mit dem Motto:

“Kinder statt Inder”

Diese wiederrum ähnelte stark an den Kölner NPD-Aufmarsch im Mai 1999, als die NS-Kameraden unter anderem sangen:

Ob wir zeugen deutsche Kinder oder adoptieren Inder”…

Heute gibt es wieder eine Diskussion auf Bundesebene über die Vereinfachung des Zuwanderunggesetzes für Fachkräfte, weil heute ein Berufsanfänger oder eine hochqualifizierte Spitzernkraft aus dem Ausland, nur ein Arbeitsplatz in Deutschland erhalten dürfen, wenn sie einen Jahresgehalt von 85.000 EUR vorweisen können.

Nun ist die Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) für eine Senkung des Grenzgehalts und heute kritisiert Ulla Burchardt, Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses (SPD) kritisiert die Haltung der Bildungsministerin.

Ein aktueller OECD-Bericht (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hatte Deutschland dazu bewegt das Zuwanderungsgesetz für Fachkräfte zu vereinfachen.

Die SPD versteht einfach nicht, das deutsche Unternehmen im weltweiten Wettbewerb stehen und nicht “einfach so” in den letzten Jahren oder – Jahrzehnten es verschlafen hätten durch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen ihre Mitarbeiter fördern konnten.

27. Juni 2007     Grischa     Politik, Wirtschaft | add to mister wong     kommentieren

Interview mit Roland Stankewitz von crammy

Nachdem unsere Rezension über den mobilen Vokabeltrainer crammy so gefragt war haben wir den Dienstanbieter vom crammy Vokabeltrainer interviewt.

Lernblog: 1. Sehr geehrter Herr Stankewitz, bitte stellen Sie sich vor und erläutern Sie unseren Lesern, wie sie auf crammy gekommen sind und wie lange Sie bereits daran arbeiten?

crammy: Ich bin als Dipl. Ing. für Elektrotechnik nie ein Sprachgenie gewesen und habe lange als Projektingenieur an der Entwicklung von Schienenfahrzeugen gearbeitet. Mit den ersten Projekten für ausländische Kunden fingen die Probleme an. Meine Schulkenntnisse der englischen Sprache wurden in einem Crash-Kurs aufgefrischt. Danach konnte ich wieder ordentliche Sätze bilden und über fachliche Themen sprechen – die Fachvokabeln hat man im Beruf durch e-mails und andere Fach-Dokumente ja ständig im Gebrauch. Schwierig wurde es beim Small-Talk mit den ausländischen Kollegen, beim Mittagessen oder abends beim Bier. Ich merkte, es fehlen mir einfach zu viele Vokabeln. Ich kaufte mir ein kleines Buch mit den wichtigsten 4.000 Vokabeln und dachte: “Wenn jemand ein Buch mit nur 4.000 Vokabeln druckt, muß es schon sinnvoll sein, nur diese 4.000 zu kennen. Das ist zu schaffen!”. Durch die Übersichtlichkeit der Aufgabe motiviert, lernte ich von A bis Z diese 4.000 Wörter und siehe – ich konnte den Gesprächen plötzlich folgen und das Fehlende erfragen. Später erfuhr ich, daß 4.000 Vokabeln etwa 80% der täglich benötigten Wörter abdecken, 10.000 etwa 99%. Das sind Durchschnittswerte. Ein englischer Hafenarbeiter kommt mit nur 200 unterschiedlichen Wörtern über den Tag. Das wichtigste fängt wohl dabei mit “f” an. Später als ich als freiberuflicher Ingenieur arbeitete und mit meinen Kindern wieder beim Thema Vokabeln lernen war, dachte ich über eine elektronische Lösung in Form eines Handgerätes nach. Das war 1999. Mit einem Freund bauten wir einen Prototyp eines Crammy – noch ohne Sprachausgabe und zogen los, um das fehlende Geld für die Entwicklung von den damals aus den Boden schießenden Venture-Capital Gesellschaften zu aquirieren. Im Gegensatz zu den vielen Internetfirmen, die Millionen “verbrannten”, bekamen wir keine Finanzierung zu Stande. Jeder Geldgeber fördert eben am liebsten das, was woanders schon funktioniert – so kommen ja die “Blasen” an der Börse zustande. Das Verständnis dafür, daß die Amerikaner kaum Probleme mit Fremdsprachen haben und in diesem Fall auch mal ein neues Produkt aus Deutschland kommen könnte, war für einen Banker wohl schon zu viel verlangt. Auch Schulbuchfirmen oder Hersteller elektronischer Wörterbücher zeigen erst jetzt Interesse, nachdem wir die Serienreife allein geschafft haben. Als wir erfuhren, daß auch der erste Mercedes aus ähnlichen Gründen zuerst in Frankreich gebaut wurde und die Produktion danach erst nach Deutschland zurückkehrte, waren wir mit unserem Schicksal wieder versöhnt. Wir nahmen das Geld, was eigentlich für unseren Lebensabend gedacht war (als selbständiger Ingenieur ist man privat rentenversichert) und fingen noch einmal von vorne an. Inzwischen gab es mp3, so haben wir gleich die Sprachausgabe integriert.

Lernblog: 2.Wie kam es zur Zusammenarbeit mit den bekannten Designer Coloni zu stande?

crammy: Wie jeder kreative Mensch braucht auch ein Designer feedback von der Masse und so zog Colani vor ein paar Jahren mit einer Wanderausstellung, die ein Teil seines Lebenswerkes zeigte, durch Einkaufszentren von Deutschland. Als er in seinem weißen Pullover und mit qualmender Zigarre in meiner Heimatstadt Schwerin saß, sprach ich ihn an und fragte, ob er unser Modell, was schon so ähnlich wie heute aussah (Drehrad + 2 Tasten) ein wenig ergonomischer gestalten konnte. Nach zwei Tagen rief er mich an und legte mir ein Knetmodell auf den Tisch, daß schon fast wie der jetzige Crammy aussah. Wir mußten dann zusehen, wie wir alle Teile darin unterbringen konnten. Die mechanische Konstruktion und der Formenbau für die Spritzgußformen was außerordentlich kompliziert, da keine Linie wirklich gerade ist. Wir begannen zu ahnen, warum sich ergonomisches Design nur schwer durchsetzt.

Lernblog: 3. Das Lernen mit den crammy macht zwar etwas Spaß, jedoch fehlen dem Lernenden kleine Erfolgsmomente, wie lobende Worte (am besten in der jeweiligen Fremdsprachen) und Aufmerksamkeiten wie Smilies und ggf. kleine Spiele, die man sich durch das Erreichen einer neuen Lektion freischalten kann. Für eine junge Zielgruppe wäre solch ein zusätzlicher Modus mehr lernförderlich. Reicht dafür der Speicherplatz nicht aus?

crammy: Wir hatten am Anfang über solche Motivationshilfen nachgedacht. Dann setzte sich bei uns die Meinung durch, daß auch das freundlichste “gut gemacht!” beim tausendstend mal wirklich nerven würde und wir haben darauf verzichtet. Es gibt 2 unterschiedlich lange “freundlich” klingende Signaltöne. Einer nach 3x positiver Quittierung nacheinander. Ein längerer nach “endgültig gelernt”. Als Motivationshilfe gibt es den Zähler der endgültig gelernten Vokabeln auf dem Startbildschirm und für Schüler den “Tamagochi-Mode”, der in Abhängigkeit vom Lernfortschritt im Vokabeltestmodus zum Lernen auffordert. Das Alter, in dem Crammy für Schüler sinnvoll wird, setzten wir mit 12 Jahren an. Die Motivation sollte dann schon aus dem Lernerfolg gezogen werden können, nicht aus künstlichen Anreizen.
Wir müssen auch aufpassen, daß die Komplexität der Funktionen nicht zu groß wird. Auch wenn Schüler oder Techniker wie wir die eigentliche Zielgruppe sind, müssen als Multiplikatoren die Sprachlehrer und Eltern überzeugt werden. Gerade Sprachlehrer verstehen oft nicht, warum man überhaupt Vokabeln lernen muß – sie hatten damit noch nie Probleme.

Lernblog: 4. Kommen wir zur 3. Generation des crammys. Dieser soll außer zusätlichen 50.000 unvertonten Vokabeln, die Möglichkeit bieten eigenständig unvertonte Vokabeln einzutragen. Wann kann man mit dieser Geräte-Generation ca. rechnen und wie wird man neue Vokabeln hinzufügen können?

crammy: Die nächste Generation ist für das nächste Jahr geplant. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht. Wir werden die Funktionalität des mitgelieferten PC-Programms so erweitern, daß über einen Editor oder csv-Import eigene Vokabeln unvertont in ein Wörterbuch aufgenommen werden können.

Lernblog: 5. Wird auch der Feedback zur Usability/Benutzerfreundlichkeit in der dritten Generation eingehen?

crammy: Wir haben natürlich weitere Verbesserungen auf der Liste. Ob und wann wir diese aber realisieren können, hängt vom Verkaufserfolg der gegenwärtigen Gerätegeneration ab. Deshalb wollen wir nicht zu viel versprechen.

Lernblog: 6. Kann meine seinen crammy aus Generation 1 oder 2 auf eine zukünftige Version überführen können, damit man die neuen Möglichkeiten nutzen kann?

crammy: Wichtiger als funktionelle Änderungen erscheinen uns inhaltliche Weiterentwicklungen. So arbeiten wir an der Erstellung eines Satz-Wortschatzes für Englisch, mit dem an Hand von Mustersätzen Vokabeln im inhaltlichen Kontext gelernt werden können. Auch Grammatik und Satzbau kann auf diese Weise implizit mit gelernt werden, ohne die Regeln explizit kennen zu müssen. Dieser Satztrainer soll noch im 4. Quartal 07 fertig werden und wird auch auf den Geräten der gegenwärtigen Generation lauffähig sein. Dazu ist über USB der Vokabelwortschatz gegen den Satztrainer auszutauschen.

Lernblog: 7. Vokabeln sind wichtig. Ich halte persönlich jedoch grammatikalische Zusammenhäng für noch wichtiger und schwieriger. Wird es auch ein Grammatik Lektionen auf zukünftigen Generationen zu lernen und üben geben?

crammy: Wie oben gesagt, arbeiten wir an einem Satztrainer für Englisch, der alle wichtigsten grammatikalischen Fälle, von Zeitformen über Passiv und Verneinung bis hin zu Standard-Gesprächssituationen (Wollen, Können, Argumentieren…) abdecken wird. Dieser wird auch auf den gegenwärtigen Geräten laufen und Sätze bis zu 120 Zeichen verarbeiten. Es wird mit 2 Schirmen gearbeitet, das Umblättern erfolgt automatisch nach Beendigung der Sprachausgabe. An der Bedienung ändert sich nichts. Unrägelmäßige Formen von Verben sind schon jetzt in den Wortschätzen enthalten. Bei den romanischen Sprachen zB. die wichtigen Konjugationen !

Lernblog: 8. Studenten haben vor dem Studium meistens die Fremdsprache Englisch und einige haben eine weitere Sprache eher nebenbei gelernt. Inwieweit lohnt sich der Kauf des crammys, wenn man als Student sich gute Kenntnisse in einer neuen Fremdsprache, wie bspw. Italienisch oder Spanisch aneignen will?

crammy: Als Vokabeltrainer macht Crammy natürlich vor allem kursbegleitend Sinn. Ob sich das mit dem Satztrainer ändert, und man auch ohne begleitenden Kurs ausreichende Sprachkompetenz aneignen kann, wird sich zeigen. Satztrainer für romanische Sprachen sind aber noch nicht fest terminiert.
Für jeden, der einen Spanisch-, Italienisch- oder Französisch-Kurs besucht, empfiehlt sich Crammy, weil Vokabeltraining Voraussetzung für jeden Kurserfolg ist, aber im Kurs selbst natürlich nicht erfolgen kann. Die mobilen Möglichkeiten, das Lernen im Auto oder kurz vor dem Einschlafen und das öftere “zwischendurchlernen” tagsüber, ohne den PC hochfahren zu müssen, zeichnen Crammy dabei gegenüber PC-Lernprogrammen aus. Was die Investition in einen Crammy angeht, muß man diese im Verhältnis zum Gesamtaufwand des Lernens bewerten. Ein professioneller 100h Crash-Kurs kostet zwischen 5.000 und 10.000 EUR + die Zeit des Vokabellernens zu Hause.

Lernblog: 9. Haben Sie vor für Menschen, die bspw. in Deutschland leben, jedoch Deutsch als Fremdsprache ansehen, eine angepasste Version anzubieten?

crammy: Deutsch als Fremdsprache steht auf dem Programm. Insbesondere aus Wien wird uns großes Interesse an Deutsch für Türken signalisiert. Man kann z.B. Frauen, die weder PC-Zugang haben noch Kurse besuchen, einen maßgeschneiderten Deutsch-Kurs auf dem Crammy präsentieren. Deren Sprachkompetenz kann dann an die Kinder weitergegeben werden. Wir können die erforderlichen Wortschätze gegenwärtig aber nicht vorfinanzieren, sondern müssen zuerst unser Geld in Marketingmaßnahmen in Deutschland investieren, um überhaupt bekannt zu werden und Stückzahlen zu verkaufen. Unsere Wiener Freunde versuchen aber, für das Türkisch-Programm Fördermittel zu bekommen. Für Russisch-Deutsch wäre das evtl. auch ein Weg.
Für Spanier, Italiener, Franzosen und Engländer ist der Crammy in der gegenwärtigen Form mit Einschränkungen auch schon nutzbar. Für diese Märkte werden jedoch Anpassungen vorzunehmen sein, die die Besonderheiten der deutschen Sprache berücksichtigen. Die deutschen Artikel sind jedenfalls schon mit vertont, was für Ausländer wichtig ist. Über zu unterstützenden unregelmäßige Formen des Deutschen müssen wir noch nachdenken.

Wir danken Ihnen sehr für ihre Zeit und wünschen Ihnen viel Erolg mit ihrem mobilen Vokabeltrainer!

21. Juni 2007     Grischa     Interview | add to mister wong     , ,      1 Kommentar

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