Zentralabitur NRW 2007

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Das (Zentral-)Abi

Das Zentralabitur wurde von der Landesregierung – wie in vielen anderen Bundesländern bereits geschehen – nun auch in Nordrhein-Westfalen eingeführt. Als einer der Teilnehmer dieses ersten Jahrgangs möchte ich nun meine gemachten Erfahrungen teilen und auch ein wenig über das Abitur als solches zu sprechen kommen, um auch den Generationen, die diese wichtige Prüfung noch vor sich haben, vielleicht die Angst zu nehmen und ihnen zu zeigen, was da auf sie zukommt.

Meine 4 Abifächer

Ich habe mich in den Fächern Mathematik und Physik (Leistungskurse) und im Fach Englisch (Grundkurs) schriftlich prüfen lassen; mein mündliches Fach war Philosophie.

Die erste Abiprüfung war für mich Englisch. Es standen dem Prüfling zwei Themen zur Wahl, zum einen ein fiktionaler Text mit Bezug auf den Film Bend it like Beckham und zum anderen ein halb-fiktionaler Text zum Thema Genforschung/Utopia. Es wurden uns 30 Minuten Auswahlzeit gelassen, wenn man sie brauchte, konnte man sie nutzen, die meisten haben aber schon angefangen zu schreiben (darunter auch ich – man will ja keine Zeit verlieren, immerhin ist man ja schon aufgeregt…).

Da mir Utopien mehr liegen, habe ich mich relativ spontan für den zweiten Text entschieden, zumal die rhetorischen Stilmittel, die es zu analysieren galt, relativ offensichtlich und leicht erklärbar waren. Die Aufgaben waren verständlich formuliert und man konnte zu jeder Aufgabe etwas schreiben, die dritte Aufgabe war eingeteilt in zwei Teile, von denen man sich wiederum einen zur Bearbeitung aussuchen durfte. Was natürlich immer bleibt ist die Unsicherheit, ob auch die Musterlösung das lesen will, was man gerade geschrieben hat – aber aufgrund der guten Vorbereitung durch unseren Lehrer konnte man sich gut damit zurecht finden. Das zur Verfügung gestellte ein- oder zweisprachige Wörterbuch erfüllte seinen Zweck.

Meine zweite Prüfung war Mathematik. Unser Lehrer hatte uns in den letzten paar Wochen immer wieder ein paar Abiturähnliche Aufgaben vorgelegt und wir konnten uns recht gut vorbereitet an die Arbeit machen – diesmal sogar weitgehend ungestört von Pausengong und Kindern, die laut schreiend durch die Schule rannten, wir durften (d.h. mussten) nämlich in der Aula neben unserer Schule schreiben. Es gab drei Prüfungsaufgaben, zwei aus dem Bereich Analysis und eine Aufgabe zur Koordinatengeometrie. Es wurde versucht, die Aufgaben mit einem realitätsbezug zu versehen: eine gegebene Funktion stellt die Fließgeschwindigkeit eines Flusses dar usw. – die Prüfung war sehr ausgewogen, es waren sowohl Aufgaben zum Rechnen als auch Erkläraufgaben. Durch diese bunte Mischung konnte man seine Stärken aber auch Schwächen zeigen. Ziel des Ministeriums wird wahrscheinlich eine Häufung im befriedigenden 3er-Bereich sein, Abweichungen nach oben oder unten sollen eher die Ausnahme sein.

Die letzte schriftliche Prüfung (und damit die letzte zentrale) war Physik. Abgesehen von einer Monsteraufgabe, in der es um das Zeichnen und die Analyse eines Graphen anhand gegebener Werte ging, war auch hier die Prüfung sehr moderat. Die Beweise, die es zu machen galt, waren größtenteils nur bis zu einem bestimmten Punkt verlangt, eine echte Lösung wurde nicht gefordert. Das machte es wesentlich leichter, da z.T. komplexwertige Lösungen zu erwarten gewesen wären (gedämpfte, harmonische Schwingung eines elektromagnetischen Schwingkreises). Wie schon in Mathe wurde zum einen auf den Realitätsbezug geachtet, aber auch eine gleichwertige Verteilung von Erklär- und Rechenaufgaben.

Die mündliche Prüfung

Das vierte Fach wird wohl von den meisten gefürchtet, so auch von mir. Das Problem: die ungewohnte Situation, vor drei Menschen zu sitzen und erstmal etwa 15 Minuten über einen Text zu reden, den man 30 Minuten bearbeitet hat, beunruhigt das Gemüt schon. Die größte Angst hat man aber eher vor dem zweiten Teil der Prüfung: eine Art Quizsendung mit dem Thema “Stoff der letzten zwei Jahre”. Hauptgewinn sind 15 Punkte.

Nun aber weg von den Ängsten hin zur Realität: die Zeit, den Text angemessen vorzubereiten und zu den Aufgaben Stellung zu nehmen, ist äußerst knapp bemessen gewesen (bei mir jedenfalls): zwei Mal durchlesen und beim zweiten Lesen wichtige Stellen markieren und dann noch Notizen für die Aufgaben zu machen – in der Rekordzeit von 30 Minuten – das sollte man vorher mal üben.

Der erste Teil des Prüfungsgesprächs verläuft sehr monoton: man sitzt vor den drei Prüfern, der Vorsitzende stellt einen kurz vor und dann geht es auch schon los: 15 Minuten (oder zumindest annähernd so viel) hat man jetzt, um alles zu zeigen, was man zu bieten hat – was für eine Gelegenheit, denn: man wird nicht unterbrochen (es sei denn, man liegt kilometerweit daneben)! Die ersten paar Sätze sind bei den meisten Prüflingen gut gefüllt mit “ääähhhhm”s und “öööööhhhhm”s, aber danach geht es meistens.

Im zweiten Teil wird dann ein Punkt aus dem ersten gegriffen und dazu eine vertiefende Frage gestellt, womit man sich dann langsam aber sicher durch die zwei Jahre boxt. Die meisten Prüfer sind in diesem Teil der Prüfung nett und hilfsbereit, versuchen dem Prüfling zu helfen und schaffen eine (möglichst) angenehme Atmosphäre. Allerdings muss man wirklich einiges an Wissen zeigen, da der ein oder andere Prüfer sonst durchaus genervt reagieren soll (an unserer Schule soll jemand gewesen sein, der so schlecht vorbereitet war, dass einer der Prüfer sagte “Ich fasse es nicht, dass drei hochbezahlte Lehrkräfte ihre Zeit hier vergeuden müssen”).

Die Philosophieprüfung als Solche war recht angenehm, wir bekamen einen Text zur evolutionären Erkenntnistheorie, dessen Schwachstellen wir herausfinden sollten. Der zweite Teil ging dann über von diesem Punkt zu staatsphilosophischen Ansichten mit einer Diskussion, wie sich selbige im Verlauf von Antike bis Moderne entwickelt haben.

Abiturvorbereitung

Unsere Beratungslehrer haben uns geraten, schon in den Winter-, besser noch in den Herbstferien damit anzufangen, uns auf die Abiprüfung vorzubereiten. Das sieht dann in den meisten Fächern so aus: man durchwuselt das gesamte Material, das einem zur Verfügung steht, Bücher, Hefte, Kopien, Ordner, etc. und versucht sich so viel zu merken, wie möglich. Ideal sind dafür Notizen, anhand derer man regelmäßig seinen eigenen Wissensstand wieder ablesen kann. Bei der Vorbereitung fallen einem auch gerne Fragen ein, die man dem Lehrer oder seinen Mitmenschen stellen kann und sollte.

Weiterhin gehört zur Vorbereitung der Unterricht selber. Die meisten Lehrer lassen es sich nicht nehmen, übrig gebliebene Zeit zur intensiven Wiederholung zu nutzen. Wie man diese Zeit am besten nutzt, sollte klar sein: Notizen ohne Ende anfertigen und Fragen stellen, sobald Probleme auftreten – es könnte die letzte Chance sein!

Speziell für die Abiturprüfung in NRW gibt es da auch LearnLine, wo man sich Aufgabenbeispiele mit Lösungen ansehen kann. Weiterhin empfehlenswert sind natürlich Lernseiten wie Lern-Online.net – meistens wird auf solchen Seiten eine kurze, prägnante Übersicht geboten, die natürlich zum Auffrischen immer wieder brauchbar ist.

Eine weitere gute Unterstützung im Kampf um das Abitur sind alte Klausuren. Es lohnt sich auf jeden Fall ein erneuter Blick hinein, insbesondere, wenn sie nicht ganz so gut waren, wie sie hätten sein sollen: aus Fehlern lernt man! Besonders in sprachlichen Fächern vermeidet man Flüchtigkeitsfehler, die man schon mal hatte; in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern lohnt es sich ohnehin, eine Berichtigung anzufertigen, um die Arbeitsstrukturen, die man anwenden musste, auch (wieder) anwenden zu können.

Allen, denen ihre Abiprüfung noch bevorsteht, wünsche ich nun viel Erfolg und hoffe, dass ich ihnen mit meinen Erläuterungen helfen konnte – ich zitiere hier eine meiner Lieblingslehrkräfte (die Frau ist eine Motivationsbombe, hoffentlich gibt es noch mehr von diesem Schlag):

“LERNEN SIE!
ARBEITEN SIE!
SCHAUEN SIE PHOENIX! – Da läuft immer was Gutes.”

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