Die 19 wichtigsten Verben sofort lernen (und für immer behalten)

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Das Spiel mit den Mnemotechniken ist immer wieder überraschend.

Vor kurzem verbrachte ich einen freien Tag zuhause und überzeugte mich, dass ich endlich mit meiner Herausforderung für Griechisch beginnen sollte. Ich hatte mir vorgenommen drei Sprachen in drei Jahren zu lernen, und ich musste langsam damit anfangen, bevor das erste Jahr bereits zur Hälfte um ist.

Mein Konzept lautet: viele Wörter grob lernen (also von vielen schon einmal gehört haben) und wenige Wörter intensiv lernen (und diese dafür wirklich beherrschen). Ich stoße immer wieder auf dieses Konzept: grobes Allgemeinwissen ergänzt sich mit enger Fokussierung, sei es im Studium, in der Arbeit oder eben beim Erlernen einer Sprache.

Ich muss zuerst die wichtigsten Verben können, ohne diese brauche ich schließlich kein normales Gespräch anzufangen und habe mich für folgende Liste von (zufällig) 21 Wörtern entschieden:

haben

sein

wohnen/leben

trinken

essen

spielen

lernen

studieren

arbeiten

schlafen

gehen

sehen

bezahlen

kaufen

vergessen

verstehen

geben

verlieren

gewinnen

Ich lasse bewusst andere wichtige Verben aus, um mein Pensum wirklich erfüllen zu können, möchte diese wenigen dafür aber so gut lernen, dass ich sie auch noch in drei Jahren im Schlaf aufsagen kann. Ein hohes Ziel, aber wir schaffen das, du lernst jetzt mit mir Griechisch! Gehe meinen Aufforderungen unbedingt nach und versetze dich so gut du kannst in die Situation hinein, benutze deine Arme und Beine um sie so realistisch wie möglich zu spüren – wenn du es wirklich gut machst, wirst du diese Wörter nie mehr vergessen! In die Klammer habe ich dir eine ungefähre Aussprache dazugeschrieben, wobei ein Akzent bedeutet, dass diese Silbe betont wird.

Haben: εγώ (echó)

Ich sitze alleine, gehüllt in meine Tunika in den einsamen Bergen und meditiere. Ich finde die Erleuchtung und habe nichts mehr, als mein Echo. Ich habe mein Echo. Stell dir dieses Bild genau vor und sitze auf diesem einsamen Berg.

Sein: είμαι (íme)

Ich stehe vor einem riesigen Altar, neben mir die Frau meiner Träume, und gerade haben wir uns das Jawort gegeben. Mit ihren wunderschönen Augen sieht sie mich an und fragt mich: „Bin ich jetzt für immer mit dir?“, und ich antworte, „du bist jetzt für immer mit mir“. Fühle den Stoff ihres Kleides.

Wohnen/leben: ζω (so)

Mein Zimmer ist überhaupt nicht aufgeräumt und mein Vater kommt herein. “So lebst du also?”, fragt er mich, “ja, so lebe ich”, ist meine Antwort. Rieche das alte Jausenbrot in der Ecke.

Trinken: πίνω (píno)

Ich nehme einen riesigen Pinienbaum (italienisch: Pino) und trinke daraus wie aus einem großen Bierkrug. Ich trinke den Pino. Riechst du den Pinienwald und spürst du den Wind?

Essen: τρώω (tro)

Tintenfisch mit Reis und Obst – ein schreckliches Gericht, aber immerhin bilden die ersten Buchstaben T.R.O. Also Tintenfisch mit Reis und Obst essen? Ui, spüre diesen schrecklichen Geschmack in deinem Mund.

Spielen – παίζω (béso)

Spielt diese Latina bloß mit mir, oder warum hat sie mir einen heißen Beso geschenkt? Ach, das Liebesspiel, ach, der Beso. Spürst du ihre Lippen und dein rasendes Herz?

Lernen – μαθαίνω (mathéno, das th ist wie im Englischen bei the oder theatre)

Ich lerne alle Fächer gerne, aber Mathe? No! Mathe lernen? No! Erinnere dich an deinen bösen Mathlehrer und sag ihm ins Gesicht: “Mathe? No!”

Studieren – Σπουδάζω (spudáso)

Mir fällt leider gar nichts ein, für spudáso musst du dir einen eigenen Mnemospruch ausdenken.

Arbeiten – δουλεύω (duléwo)

Der Arbeiter streicht alle Wände neu und das tut er in einer leeren Wohnung. In einerleeren Wohnung tut der Arbeiter das. Hilfst du ihm ein wenig beim Streichen und riechst du seine Farbe?

Schlafen – κοιμάμαι (kimáme)

Kimm schlofen, Anne”, sagt der Tiroler zu seiner Freundin. Kimm Anne, wirschlofen. Spüre dich in die angenehme Daunendecke hinein und lege deinen Kopf ins warme Kissen (zugegeben, dieses Mnemo ist nicht das beste aller Zeiten).

Gehen – Πάω (páo)

Stefan hat sein ganzes Geld verloren, jetzt geht er auf den Bau. Wink ihm doch zum Abschied.

Sehen – βλέπω (flépo)

Ich sehe meine Beinvenen (dabei schaue ich sie wirklich an und sage mir das Wort wieder und wieder vor, wenn ich mich an dieses Verb erinnern möchte, erinnere ich mich automatsich an meine Venen). Hier verwende ich einen Trick, denn medizinisch schaut man sich die Venen in einer Phlebographie an. Natürlich verwende ich Wörter, die ich aus verschiedenen Sparten kenne, in diesem Fall aus der Medizin. Für alle Nichtmedizer: Selbst ein Wort ausdenken.

Bezahlen – πληρώνω (plírono)

“Können Sie noch ein Brot mehr bezahlen?”, frag mich die Veräuferin. Ich antworte: “Yes, please, one more.” Strecke deinen Arm aus um zu bezahlen.

Kaufen – αγοράζω (agoráso)

Ich kaufe mir eine Waffe, weil ich so aggro drauf bin. Nimm die Pistole entgegen und feuere sie gleich gegen die Verkäuferin ab.

Vergessen – ξεχάσω (xecháso)

Ich hasse so was, wenn ich etwas vergesse. Schüttle deinen Kopf und ärgere dich so richtig, weil du wieder einmal etwas vergessen hast.

Verstehen – καταλαβαίνω (katalawéno)

Der wichtigste griechische Satz lautet: Dhén katalawéno elleniká, also, ich verstehe kein Griechisch. Daher müssen wir uns dieses Verb unbedingt merken und zwar so: Katalina versteht wenig Griechisch. Simpel! Erkläre drei Griechen, dass du kein Griechisch verstehst.

Geben – δίνω (díno)

Ich bin ein Zahnarzt und das kleine Mädchen weint ganz schrecklich. “Ich gebe dir einenDino”, sage ich und plötzlich ist alles gut. Überleg dir welche Farbe der Dino hat und strecke deine Hand aus um ihn wirklich zu überreichen.

Verlieren – χάνω (cháno)

Ich schwimme bei den olympischen Spielen in Hanoi mit, aber als ich ankomme stelle ich fest, dass ich leider verloren habe. Spüre das Wasser und den Frust der Niederlage.

Gewinnen – κερδίζω (kerdíso)

Ich bin ein schüchternes Mädchen und sehe einen heißen Kerl in der Disco. Ich traue mich ihn anzusprechen und er mag mich – ich habe gewonnen! Ich gewinne den Kerl in der Disco. Stell dir vor, wie du ihn ansprichst.

Diese Liste ist nicht vollständig, aber wenn du dich gut in die Situationen hineingelebt hast, konntest du gerade in nur 10 Minuten die wichtigsten 80% (oder sogar mehr) der griechischen Verben lernen. Je mehr emotionale und visuelle Komponenten du hinzugefügt hast, je mehr du die Bewegungen ausgeführt, die Gerüche gerochen und dich in die Situationen hineingelebt hast, desto länger wird dieser Inhalt bei dir bleiben. Du lernst gar kein Griechisch? Verwende diese Technik nun mit deinen eigenen Lernsprüchen für deine Sprache und du wirst noch deutlich erfolgreicher sein, als mit diesen vorgekauten Mnemos. Das Lernziel dieses Artikels lautet, dass du dich von nun an traust mit Fantasie und Kreativität beim Lernen zu experimentieren. Sprachenlernen ist kinderleicht und macht viel Spaß, willkommen am Spielplatz!

Gastartikel und Foto von Nikolaus Cortolezis (Autor von “Ein geniales Studium: Schneller lesen, aktiv lernen, Ziele erreichen“)

About Grischa

Grischa hat im Dezember 2005 diesen Lernblog gestartet. Er studierte Wirtschaftsinformatik und leitet das Projekt Lern-Online.net seit Mai 2002. Das Ziel von Lern-Online.net ist Schülern und Studenten Wissen verständlich zu erklären, kostenfrei anbieten und übersichtlich gliedern.