In Deutschland steigen Schüler eher ab als auf

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Das deutsche Schulsystem ist einer Studie zufolge vor allem nach unten durchlässig. Im Zeitraum 2010/11 wechselten in den Klassen fünf bis zehn rund 50.000 Schüler in eine niedrigere Schulart wie Haupt- und Realschule. Nur rund 23.000 und damit noch nicht einmal halb so vielen gelang der Übergang nach oben, etwa ins Gymnasium. Das geht aus einer bundesweiten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung hervor.

Bestnote für Bayern

Am meisten Aufsteiger gibt es in Bayern. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Am ungünstigsten ist das Verhältnis in Niedersachsen. Dort kommen auf einen Aufsteiger mehr als zehn Absteiger. Den Spitzenplatz belegt Bayern. Nur in diesem Bundesland gibt es etwas mehr Auf- als Absteiger. Dies führen die Autoren der Studie unter anderem auf den in Bayern relativ streng gehandhabten Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium zurück. Außerdem würden viele Aufsteiger eine Klasse wiederholen.

Laut Studie gibt es in den klassischen mehrgliedrigen Schulsystemen vor allem dort ein besonders schlechtes Verhältnis zwischen Auf- und Absteigern, wo nur noch wenige Schüler nach der Grund- die Hauptschule besuchen. Denn diese werde dann zu großen Teilen zum Auffangbecken herabgestufter Schüler. Das betreffe etwa Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Baden-Württemberg steht mit einem Verhältnis von einem Aufsteiger zu anderthalb Absteigern noch verhältnismäßig gut da.

Schulstruktur nicht ausschlaggebend

Der Bildungsexperte der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, verwies zugleich darauf, dass die Schulstruktur nicht der entscheidende Faktor für mehr Chancengerechtigkeit sei. Viel wichtiger seien individuelle Förderung und eine entsprechende Fortbildung der Lehrer. “Auf Abschulungen und Klassenwiederholungen könne man dann weitgehend verzichten”, so Dräger.

Eine frühere Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Bildungserfolg in Deutschland weiter stark von der sozialen Herkunft abhängig ist. Kinder armer Eltern oder von Migranten haben demnach in allen Ländern deutlich geringere Chancen, nach der Grundschule ein Gymnasium zu besuchen als Kinder von Akademikern – auch bei gleicher Intelligenz. Und trotz mehrerer Reformzusagen der Kultusminister verlassen bundesweit pro Jahr immer noch mehr als 60.000 junge Menschen die Schule ohne Hauptschulabschluss.

Quelle: tagesschau.de