Interview mit Sachar Kriwoj von UdL Digital

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Sachar Kriwoj habe ich bereits vor vielen Jahren in Jugendzentrum kennen gelernt. Ich verfolgte nebenbei durch die sozialen Netzwerke, das er beruflich von der E-Learning Plattform Scoyo zum Mobilfunkanbieter E-Plus wechselte und war stets neugierig, was so  ein Pressesprecher tut und seit ich erfahren habe das er mit hochrangigen Politikern bald schon per Du ist, um es zu übertreiben habe ich ihn zum Interview angefragt. Ich war schon total stolz auf den Lernblog als ich im  Juni 2006 ein Interview mit dem damaligen Generalsekretär der FDP und heute sogar Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel veröffentlicht habe. Ich glaube zwar kaum, das er damals wirklich persönlich auf meine Fragen per E-Mail geantwortet hat, aber wer weiß.

Englischsprachige Berufsbilder ins Deutsche übersetzt

Zurück zur Sachar. Als ich mich mit den englischen Begriffen public relations und (digital) public affairs auseinandersetzte, musste ich sie zwangsläufig erst mal in dem tollen Wörterbuch von LEO übersetzen lassen.

‚public relations‘ findet man zu erst die Übersetzung – Beziehungen zur Öffentlichkeit – danach folgen die Begriffe die Beziehungspflege, die Firmenwerbung, die Kontaktpflege, die Meinungspflege, die Vertrauenswerbung, die Werbeabteilung und natürlich Öffentlichkeitsarbeit.

Zu ‚public affairs‘ bekomnt man schon eine eindeutige Übersetzung – öffentlichen Angelegenheiten – .

Bei E-Plus Gruppe schimpft sich Sachar  nun Leiter Digital Public Affairs, also ein „denglischer “ Begriff, da er ja vorher Head of Public Relations bei der Scoyo GmbH war. Dies finde ich wenigstens konsequent in englisch bleiben. Seine Arbeitsbezeichnung habe ich übrigens aus seinem Xing-Profil. Wie ich durch seinen Blog und anderen Publikationen mitbekommen habe, erklärt er selbst auch sehr oft wofür diese relativ neuen Begriffe stehen.

Ich fand dann die Präsentation vom UdL Digital zum Begriff „Digital Public Affairs“.

Das Interview mit Sachar Kriwoj

Lern-Online.net: Hallo Herr Kriwoj, stellen Sie sich bitte kurz vor und erzählen sie von ihren aktuellen Job als Leiter Digital Public Affairs bei der E-Plus Gruppe.

Sachar Kriwoj: Ich bin 33 Jahre alt, arbeite seit mittlerweile 12 Jahren im Kommunikationsbereich – zuerst als Journalist, später als Pressesprecher und nun im Bereich Digital Public Affairs.

Sachar Kriwoj

Sachar Kriwoj

Die E-Plus Gruppe hat 2010 als erstes Unternehmen Digital Public Affairs als eigenständige Kommunikationsdisziplin aufgesetzt. Heißt also: Wir kommunizieren vor allem über unser Blog UdL Digital (http://www.udldigital.de/) über Themen, die sich mit Mobilfunk, dem mobilen Internet und der Digitalisierung auseinandersetzen. Und weil Digital alleine nicht reicht, haben wir mit dem BASE_camp (http://basecamp.udldigital.de/) den wohl ungewöhnlichsten Mobilfunkladen Deutschlands gebaut. Darin kann man nicht nur Geräte testen und so das mobile Internet erleben, sondern auch arbeiten, essen, trinken und vor allem an vielen Events teilnehmen.

Lern-Online.net: Das erste Webprojekt mit deiner Beteiligung, welches ich schon kannte war brainstorms!. Ist dies eigentlich immer noch aktiv?

Sachar Kriwoj: Nein, brainstorms habe ich 2005 eingestellt. Ich habe es 1999 aufgesetzt und somit sechs Jahre lang betrieben. Ich habe viel gelernt, z.B. welche Inhalte im Web funktionieren – und welche nicht. Vor allem aber habe ich gelernt, dass Vermarktung kein Selbstläufer ist und ich ungerne Werbepartner akquiriere.

Lern-Online.net: In ihrer Netzwerk-Plattform für digitale Kommunikatoren UdL Digital war vor kurzem der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Philipp Rösler von der FDP im UdL Digital Talk zu Gast. Wie schafft man es einen so vielbeschäftigten Minister für so ein Event als Gast zu gewinnen?

Sachar Kriwoj: Rösler war ja nicht der erste Spitzenpolitiker, der bei uns zu Gast war. Zuvor diskutierten beim UdL Digital Talk auch schon Peer Steinbrück, Ursula von der Leyen und Jürgen Trittin, um nur einige bekannte Namen zu nennen. Nun, sie kommen, weil wir ihnen ein ungewöhnliches Setting präsentieren. Sie diskutieren mit jungen Menschen über das Internet. Und zwar nicht über Ängste, das ist ja eher der klassische TV-Ansatz, sondern über Chancen. Das macht sich nicht nur im Wahlkampf ganz gut.

Sachar Kriwoj trifft Philipp Rösler

Sachar Kriwoj trifft Philipp Rösler

Lern-Online.net: Sie sind außerdem im Team von BASE_camp, den sie als ungewöhnlichste Mobilfunkladen der Welt bezeichnen. In das BASE_camp kam zum 1. Facebook Berlin Talk der neue US-Außenminister John Kerry. Wie fanden sie den Besuch und waren sie vorher sehr aufgeregt?

Sachar Kriwoj: Ich bin vor jeder Veranstaltung aufgeregt – ganz gleich, ob der Gast John Kerry, Philipp Rösler oder Ibrahim Evsan (Anmerkung Lernblog: Ibrahim Evsan ist Web-Experte und vor allem durch die Gründung von der Videoplattform sevenload bekannt) heißt. Vor jedem Event stelle ich mir die Frage, ob wir wirklich an alles gedacht haben. Sobald es los geht, können wir kaum noch reagieren. Jedes Event soll für unsere Gäste ein Erlebnis sein. Dafür investieren wir im Vorfeld enorm viel Aufwand und versuchen jede Eventualität zu bedenken.

Lern-Online.net: Google+ ist wohl momentan die einzige soziale Netzwerk, welches Facebook in den meisten Ländern die größte Konkurrenz bietet. Denkst du Google wird in den nächsten Jahren mit ihrer gigantischen Stärke in Suchmaschinenmarkt, die immer stärkere Bindung von Android mit Google+ sowie der Ankündigung das man 2013 in Google+ jede Menge neue Funktionen einbauen will (siehe Caschys Blog) an Facebook herankommen oder gar übertreffen?

Sachar Kriwoj: Ich sehe Google+ nicht als facebook-Konkurrent. Ich erlebe unterschiedliche Menschen und unterschiedliche Kommunikationsmuster in beiden Netzwerken. Insofern können sie sehr gut nebeneinander existieren.

Lern-Online.net: Yandex ist die meistgenutzte Suchmaschine und VK (ehemals Vkontakte) ist das meist genutzte soziale Netzwerk in Russland und vielen anderen ehemaligen sowjetischen Staaten. Andere soziale Netzwerke wie odnoklassniki.ru sind ebenfalls beliebter als Facebook und Co. Wie kommt das? Sind die Russen weniger vernetzt mit Europäern und Amerikaner, die ja hauptsächlich heutzutage auf Facebook meistens am aktivsten sind.

Sachar Kriwoj: Ich denke, dass das Ganze schon daraus resultiert, dass Russisch ein anderes Schriftbild hat, als wir es im Deutschen oder auch im Englischen kennen. Langfristig, denke ich, wird die Globalisierung auch Russland stärker erreichen, so dass sich die russischen Netzwerke entweder stärker internationalisieren müssten.

Lern-Online.net: Seit kurzem ist unser Webprojekt auch auf Twitter vertreten und schon länger sind haben wir eine Facebook-Fanseite sowie eine Google+ Seite. Was können sie uns empfehlen um mehr Follower bzw. mehr Facebook/Google+ Fans zu generieren?

Sachar Kriwoj: Meiner Meinung nach ist das der absolut falsche Ansatz. Es geht niemals um mehr Follower oder Fans. Jeder, der professionell über Social Media kommuniziert, sollte primär darüber nachdenken, welche Inhalte er seinen Nutzern bieten kann, die sie auch wirklich interessieren. Wenn die Inhalte funktionieren, kommen die Nutzer automatisch. Kommen sie nicht, stimmen die Inhalte nicht.

Lern-Online.net: Sie waren vor ein paar Jahren Leiter der Werbeabteilung bei der scoyo GmbH, eine sehr bekannte Online Lernplattform. Wie sehen sie die Zukunft und Verbreitung von Online-Lernen bzw. E-Learning ?

Sachar Kriwoj: Durch das mobile Internet und die Tatsache, dass sich mittlerweile fast jeder eine Flatrate für sein Smartphone oder Tab leisten kann, wird auch E-Learning stärker genutzt werden.

Lern-Online.net: Mit welchen IT-Unternehmen sympathisieren Sie und warum?

Sachar Kriwoj: Ich liebe Apple, das ist nun zu einfach, oder? Ich liebe Google für Gmail. Ich liebe facebook, weil sie mich vernetzen. Ebenso twitter. Ich liebe Kommunikation, also liebe ich all die Unternehmen, die mir Kommunikation so leicht machen.

Lern-Online.net: Welche Bücher oder Persönlichkeiten haben ihr Leben beeinflusst und warum?

Sachar Kriwoj: Jeder, der mit dem Internet zu tun hat, sollte „Delivering Happiness“ lesen. Warum, steht hier. http://www.thecommunist.de/drei-bucher-die-vieles-verandern-konnen/ Ansonsten war der Mensch, den ich am meisten bewundert habe, mein Opa, weil er mir beigebracht, Menschen mit Respekt zu begegnen.

Lern-Online.net: Was machen Sie am liebsten in ihrer Freizeit?

Sachar Kriwoj: Am liebsten verbringe ich Zeit mit meiner Familie und mit meinen Freunden. Und ich liebe Fußball.

Wir danken Sachar Kriwoj für dieses Interview und wünschen ihn und UdL Digital sowie den BASE_camp viel Erfolg.

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